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Bienensterben: Das geht uns alle an

19.06.2008 Archiv Davoser Zeitung

Schimun Lemm sagt, wie ernst die Lage ist – auch in der Landschaft Davos

 

«Das kann zu einem ökologischen Kollaps kommen, der schlimmer sein kann als die ganze Klimaerwärmung.» Schimun Lemm spricht zum Bienensterben, und er weiss, wovon er spricht. Er ist langjähriger Präsident der Bündner Bienenzüchter und kennt vor allem auch die Problematik in Davos. Er selbst beherbergt derzeit
15 Völker im Val Susauna.

 

Hans Zimmermann

 

Die Biene, so sagt Schimun Lemm – und seine Meinung wird von hochrangigen Experten untermauert, sei nach dem Rind und dem Schwein das drittwichtigste Nutztier für die Menschheit überhaupt. Oder hätten Sie gewusst, dass sich 80 Prozent aller Blütenpflanzen bei uns erst überhaupt fortpflanzen können, wenn Bienen im Spiel sind? Bienen – und nicht etwa Insekten irgendwelcher Art. Die Artenvielfalt unserer Bergwiesen ist also durch das Bienensterben direkt gefährdet. Direkt betroffen sind nebst der Landwirtschaft und den Obstbauern im Unterland vor allem auch all jene, die vom Tourismus leben. Denn eine intakte Natur zu haben, ist wohl das höchste Gut – ein Gut, das man mit Stolz auch zeigen und vermarkten darf.

 

Wie schlimm ist es denn?


Die Landschaft zählt derzeit 14 aktive Imker. Wie viele Völker sie genau pflegen, weiss Schimun Lemm nicht, doch er weiss, dass im Durchschnitt etwa 30 Prozent aller Völker den letzten Winter nicht überlebt haben. Schuld seien vor allem Brutkrankheiten wie Sauerbrut und Faulbrut (was man gemeinhin als «Bienenpest» bezeichnet) sowie die aus Asien eingeschleppte Varroa-Milbenkrankheit. In Davos selbst, so Lemm, hätten wir zwar derzeit noch genug Bienen – aber genau das mache die Situation gefährlich. Denn es kämen von auswärts diverse Bienenzüchter mit ihren Wandervölkern, die von dem reichlichen Angebot an Flora profitierten. Und dann geschehe eben genau das, was man vermeiden wolle: Dann würden sich verschiedene Bienenrassen vermischen und würden deshalb weniger resistent gegen Krankheiten. Wenn also eine Königin vor ihrem eigentlichen Lebenszweck, dem Eierlegen, vorher von etwa 14 Drohnen begattet worden sei, so gebe sie Gene von allen Gattungen weiter, und das führe dann eben zu «Mischkulturen». Sei die einheimische «Schwarze Biene» gegen Krankheiten noch relativ re-sistent gewesen, so habe die graue aus dem Kaukasus die Milben erst eingeschleppt, und auch über das Auftauchen der gelben aus Afrika sei man nicht glücklich. Eine Lösung sieht Lemm nur in der Anwendung von Antibiotika, doch das sei ein Teufelskreis: Denn Seuchenbekämpfung mit Antibiotika würde sich automatisch wieder in der Qualität des Honigs niederschlagen. Zwar seien sich die Imker bewusst, dass ihr Wirken vorab der Natur und der Artenvielfalt diene, doch wenn der Honigpreis wegen Antibiotika-Gebrauchs mexikanische Ausmasse annehme, dann bestehe die Gefahr, dass viele Imker aufhören würden.