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Juni und Bilanz verregnet

16.08.2012 Archiv Davoser Zeitung

Juni und Bilanz verregnet

Das gegenwärtig freundliche Wetter kann nicht darüber hinwegtäuschen: Der Sommer 2012 ist aus meteorologischer Sicht kein grosser Hit. Das wirkt sich auch auf die Übernachtungszahlen aus.

Nach einem guten Mai registriert man für den Juni einen Dämpfer.

 

Andreas Frei

 

18,5 Prozent oder in absoluten Zahlen 14 005 – um diese Zahl sanken die Übernachtungen in Davos und Klosters im direkten Vergleich vom Juni 2011 und dem diesjährigen Juni. Unerfreuliche Zahlen, dessen ist man sich auch bei der Destination Davos Klosters (DDK) bewusst. Im Mai hatte sich die Situation wesentlich anders präsentiert. Dann konnte die Destination bei den Übernachtungszahlen gegenüber dem Vorjahr ein deutliches Plus von 14,2 Prozent vermelden.


Zu viel Regen

Neben der ohnehin omnipräsenten Eurokrise dürfte beim Minus vor allem das bescheidene Wetter, welches uns der Juni bescherte, eine nicht unbedeutende Rolle spielen. Dass Petrus tatsächlich nicht so mitspielte, wie es von ihm erwartet wurde, belegt das Klimabulletin von Meteo Schweiz: «Der Juni 2012 war mit einer positiven Abweichung von 2 bis 3 Grad vor allem in der südlichen Landeshälfte deutlich wärmer als der Normwert der Meteo Schweiz für die Periode 1961–1990. In den meisten Gebieten war der Monat überdurchschnittlich regenreich, besonders im Osten und Südosten.»
Und als ob dies nicht gereicht hätte, präsentierte sich der Juli auch nicht gerade wesentlich freundlicher. In der Sprache der Wetterwissenschaftler klingt das dann so: «Die Besonnungswerte und die Regenmengen waren im Landesdurchschnitt etwa dem langjährigen Durchschnitt entsprechend. Beim Niederschlag ergaben sich jedoch regional beträchtliche Abweichungen.» Die Statistik belegt, dass die Regenmenge im Bereich der Destination Davos Klosters mit 120 bis 140 Prozent des Normwertes doch merklich über dem Durchschnitt lag. Da erstaunt es auch nicht, dass die Sonnenscheindauer im Juli den Durchschnitt in ähnlichem Masse unterschritt.


Wetter hat viel Einfluss

Markus Unterfinger, Kommunikationschef der DDK, spricht im Zusammenhang mit den Juni-Zahlen selber von einem «Ausreisser». «Das Wetter hat definitiv nicht mitgespielt», sagt er. Am einzigen schönen Wochenende im Juni seien die Zahlen sofort nach oben geschnellt, auch die Bergbahnen hätten von «Top-Zahlen» gesprochen. Leider habe sich der blaue Himmel nicht gehalten, und die Leute seien ferngeblieben. «Der Juni ist kein einfacher Monat», betont Unterfinger. Es gebe keine Schulferien, und die Saison beginne erst. Traditionell kämen dann viele Busreisende nach Davos – doch just dieses Segment sei sehr stark von der Euroschwäche betroffen. «Der Kostendruck bei den Touroperatern ist enorm.» Die Kalkulationen seien dementsprechend eng. Darum weichen in dieser Situation sogar Schweizer Busunternehmen nach Süddeutschland, Österreich oder ins Südtirol aus. Dort sind die Preise günstiger, was durch den starken Franken nun noch stärker zum Ausdruck kommt.
Gerade für die Ausflugs- oder Tagestouristen sind aber eben nicht nur die Preise von grosser Bedeutung, sondern auch das Wetter. Spielt dieses nicht mit, addieren sich gleich zwei negative Faktoren. Davon sprachen die Bergbahnen gegenüber der «Davoser Zeitung» schon vor über einem Jahr: «Auf uns bezogen kann man sagen, dass das Wetter angesichts der vielen Tagesgäste tatsächlich mehr schaden kann als der schwache Euro. An einem schönen Wochenende haben wir vielleicht 20 000 Leute, wenn es aber schlecht ist, sind es nur 7000–8000.»


Auch die RhB leidet

Unter just diesem Effekt leidet auch die Rhätische Bahn – besonders der Bernina-Express. Dieser wird – anders als der Glacier-Express – gerne für Tagesausflüge genutzt. Zudem geniesst der Bernina-Express insbesondere bei den Asiaten (noch) nicht die gleiche Bekanntheit, wie der Glacier-Express. Die RhB hoffe nun auf einen schönen Herbst, um das Resultat noch nach oben korrigieren zu können, hiess es gegenüber der Presse.
Damit rechnet die DDK nur beschränkt. Ein schöner Herbst vermöge nämlich allenfalls einen verregneten Juni zu kompensieren. Sollte aber der ganze Sommer schwach ausfallen, so lasse sich dies auch mit dem schönsten Herbst nicht ausgleichen, hiess es.

 

 

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