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Offensive für mehr Gäste nötig

19.07.2012 Archiv Davoser Zeitung

Offensive für mehr Gäste nötig

Marco Ettisberger, Sekretär der Bündner Handelskammer, sieht für den Kanton dringenden Handlungsbedarf.

Davos als wichtigem, aber verkehrsmässig nicht sehr günstig gelegenem Standort rät er zu einem offensiven Vorgehen.

 

Andreas Frei

 

Kürzlich schlugen Jürg Do-menig, Geschäftsführer von Hotelleriesuisse Graubünden, Marco Ettisberger, Sekretär der Bündner Handelskammer, und Jürg Michel, Direktor des Bündner Gewerbeverbandes, Alarm. In einem Gastkommentar, der im «Bündner Tagblatt» erschien, nahmen sie Stellung zu einer Studie der UBS, die im Frühling erschien. Die Grossbank analysierte darin verschiedene Faktoren und fasste diese zu Wettbewerbs-indikatoren der einzelnen Kantone zusammen. Für Graubünden fällt die Analyse vernichtend aus – der flächenmässig grösste Kanton der Schweiz landet mit einem Wettbewerbsindikator von 48,0 abgeschlagen auf dem viertletzten Platz – nur noch gefolgt von Wallis (45,3), Jura (41,3) und Uri (40,2). Die Spitzenplätze belegen Zürich (100,0), Basel-Stadt (98,0) und Zug (95,3).

 

Bündner als Schlusslicht
Als Faktoren für die Wettbewerbsfähigkeit wertete die UBS etwa die Dynamik, die Erreichbarkeit, Innovation, Humankapital und die Finanz-effizienz. Graubünden belegt in vielen Fällen die hinteren, teilweise sogar hintersten Plätze. So bescheinigen die Experten der Bündner Wirtschaft auf einer Skala von 0 bis 100 eine Dynamik von 0,7... Wenig besser sieht es im vor allem auf Tourismus ausgerichteten Kanton bei der Diversifikation aus: 26,6 von 100 möglichen Punkten. Auch in Sachen Innovation können die Bündner nicht punkten – 10,1 von 100. Geradezu katastrophal muten die Bewertungen im Bereich Erreichbarkeit und Einzugsgebiet an. Hierfür kann der Gebirgskanton zwar nichts, aber dennoch: zweimal 0,0 – von 100 möglichen. Punkten kann Graubünden hingegen bei Faktoren wie dem Kostenumfeld (68,4), Arbeitsmarkt (Anteil der Bevölkerung, die am Arbeitsmarkt teilnimmt, 67,2), Finanzeffizienz (69,1) oder Finanzspielraum (80,8 von 100 und damit landesweit auf Rang 2 hinter Zug).

 

Und Davos?
Unterm Strich also alles andere als erfreuliche Zahlen, darüber sind sich die Autoren des Kommentars im BT einig. Wobei ein weiterer Faktor noch gar nicht berücksichtigt ist, wie der Sekretär der Bündner Handelskammer, Marco Ettisberger, gegenüber der DZ zu bedenken gibt: «Punkto Wertschöpfung folgt das Rheintal nicht dem Rest des Kantons, sondern entspricht dem schweizerischen Mittel.» Jene guten Zahlen dürften den Bündner Schnitt also eher noch nach oben drücken. Und wo steht bei all diesen Zahlen Davos? Für Ettisberger ist klar, dass die Gemeinde innerhalb des Kantons zu den stärkeren Regionen gehört. Dazu trage sicher auch die Zentrumsfunktion bei, über die Davos verfüge. Gleichwohl sehe er den Ort keineswegs in einer sicheren Position, dies nicht zuletzt, weil die Folgen der Zweitwohnungsinitiative auch hier noch nicht absehbar seien. «Die Zahl der Übernachtungen hat in den letzten Jahren auch in Davos kontinuierlich abgenommen. Das ist so. Wenn Touristiker von Steigerungen berichten, so muss man stets hinterfragen, welche Basis sie für ihre Zahlen verwenden. Davos ist sehr stark vom Tourismus abhängig. Es gibt nur wenige beziehungsweise neu hinzugekommene Möglichkeiten der Wertschöpfung. Das könnte zum Problem werden.» Verständlicherweise sei die Zahl der Möglichkeiten nur schon angesichts der längeren Distanzen beschränkt. Gerade darum sei es entscheidend, nun offensiv neue Gäste nach Davos zu holen. «Das ist auch angesichts der Euro-schwäche sehr wichtig. Sie setzt der Wirtschaft und ins-besondere der Hotellerie in Graubünden teilweise enorm zu.»

 

Neue Hotels nötig
Der offensiven Akquisition neuer Gäste stehe allerdings in Davos die Tatsache im Weg, dass die Zahl der Hotelbetten in den letzten Jahren gesunken sei. Dass sich angesichts der bereits eröffneten «Ochsen 2» und «Grischa», dem demnächst öffnenden «Hilton Garden Inn», dem im Bau befindlichen «Intercontinental» und einem weiteren projektierten Hotel auf dem Holland- House-Areal möglicherweise eine Trendwende abzeichne, stimme hoffnungsvoll, beton-te Ettisberger. Diese neuen Häuser seien «Leuchttürme». «Dies ganz besonders, wenn der Trend anhält und es gelingt, die neuen Häuser zu füllen, ohne andere zu kannibalisieren. In anderen Fällen – Stichwort Kliniken – dürfte es hingegen nicht so einfach möglich sein, alte Strukturen wiederzubeleben.»


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