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Der Berufsschule fehlen Schüler

20.06.2011 Archiv Davoser Zeitung

Der Berufsschule fehlen Schüler

Die Berufsfachschule baut ab. Wie letzte Woche mitgeteilt wurde, hat der Schulrat der Berufsfachschule beschlossen, die gewerbliche Abteilung der Schule aufzugeben. Verantwortlich für den Schritt sind sinkende Schülerzahlen.

 

Andreas Frei

 

Schreiner und Coiffeusen sollen nicht weiter in der Berufsfachschule Davos ausgebildet werden. Wie einer vor wenigen Tagen veröffentlichten Medienmitteilung zu entnehmen ist, hat der Kleine Landrat «vom Beschluss des Schulrates der Berufsfachschule Davos Kenntnis genommen, die gewerbliche Abteilung aufgrund rückläufiger Schülerzahlen aufzugeben». Die Auflösung erfolge schrittweise, heisst es weiter. Laut Robert Ambühl, dem zuständigen Kleinen Landrat, habe man Wert darauf gelegt, dass alle Schüler, welche die Berufsfachschule heute besuchen, die Schule auch in Davos abschliessen können. «Es wurde allerdings entschieden, per sofort keine neuen Coiffeusen mehr aufzunehmen», sagt er. Fürs neue Schuljahr seien nur zwei Auszubildende angemeldet gewesen.

 

Galgenfrist für Schreiner

Was der Abbau für die beiden Betroffenen bedeutet, ist laut Ambühl noch nicht ganz sicher. «Das kantonale Amt für Berufsbildung klärt derzeit ab, wo sie die Schule besuchen werden.» Kaum besser als bei den Coiffeusen sehen die Zahlen bei den angehenden Schreinern aus, die derzeit in Davos die Schulbank drücken. Hier liegen fürs kommende Schuljahr gerade einmal fünf Anmeldungen vor. In dieser Berufssparte beginnt der Abbau laut Ambühl aufs Schuljahr 2012/13.

 

Kein weiterer Abbau

Wie Ambühl sagte, gibt es in der Davoser Berufsfachschule noch weitere Klassen, die Unterbestände aufweisen. Trotzdem sei ein weiterer Abbau zumindest derzeit kein Thema. «Die Schule ist hier das Op-fer der demografischen Entwicklung. Manche Berufe sind heute nicht mehr so attraktiv wie in früheren Tagen», bedauert Ambühl. Vor Jahren sei es mühelos gelungen, genügend Auszubildende beispielsweise für den Schreiner- oder den Coiffeusenberuf zu finden. «Der Zulauf war ganz anders. Heute wollen die Jungen offenbar lieber in anderen Berufen arbeiten.» Das Angebot der Davoser Berufsfachschule entsprechend anzupassen, sei zwar theoretisch möglich, meint er. Doch habe das Amt für Berufsbildung hier noch ein gewichtiges Wort mitzureden. Man müsse sich vor Augen halten, dass die Schule in Davos nicht die einzige sei, die mit sinkenden Schülerzahlen zu kämpfen habe. «Da muss man sich natürlich die Frage stellen, wie sinnvoll es ist, wenn die Berufsschulen anfangen, sich gegenseitig die Schüler abspenstig zu machen.» Dazu komme, dass es nicht genüge, nur ein Schulangebot zu schaffen. Es sei auch wichtig, dass die entsprechenden Lehrbetriebe in ausreichender Zahl vorhanden seien. «Und dann braucht es selbstverständlich die Nachfrager, sprich die Auszubildenden, welche den entsprechenden Beruf ergreifen wollen. Genau hier liegt derzeit unser Problem. Es ist meiner Meinung nach enorm wichtig, die Attraktivität verschiedener Berufe deutlich zu steigern», ist Ambühl überzeugt.
Finanziell sei die Aufgabe der gewerblichen Abteilung kein Verlust – im Gegenteil, die Kosten würden sogar leicht sinken. «Allerdings nicht in einem relevanten Mass. Das hat bei der Entscheidung sicher keine Rolle gespielt», versichert der Kleine Landrat. Wie sich die Situation in der Schule personell entwickle, könne er aus jetziger Sicht noch nicht sagen.

 

Bedauern bei Betrieben

Bei den Lehrbetrieben wird der Schritt bedauert, wie einige Nachfragen der «Davoser Zeitung» ergaben. Der Abbau werde wohl kaum zur Attraktivitätssteigerung beitragen, hiess es etwa bei Bernhard Holzbau in Wiesen. Allerdings schicke man schon jetzt Auszubildende aus anderen Berufen nach Chur. Ganz neu sei das somit nicht. Das ändere aber nichts daran, dass der Weg dorthin doch sehr lange sei. Insgesamt müsse man sicher von einem Verlust sprechen.


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