Gemeinderat hat andere Prioritäten als der Vorstand
23.09.2010
Archiv Klosterser Zeitung

An der ausserordentlichen Gemeinderats-Sitzung vom letzten Montag diktierte der Gemeinderat dem Vorstand auf, wie die Prioritäten zu setzen sind.
Es macht fast den Anschein, der Gemeinderat wollte dem Vorstand einfach einmal deutlich aufzeigen, wo es «dürägeid». Für erste sind jetzt die Weichen aber klar und deutlich gestellt worden.
Coni Allemann
Ein halbes Jahr Zeit
Der Vorstand, der die Schulraumschaffung eindeutig zuoberst auf die Prioritätenliste gesetzt hat und zwar unabhängig vom Standort, hatte sich für eine einzige Variante für den Bau einer Schulanlage, nämlich Christlis, eingesetzt. Angesichts des hohen Zulaufs der Initiative «Christlis bleibt grün» schlug der Vorstand aber im zweiten Antrag dein Einsatz einer Strategiegruppe vor, um das weitere Vorgehen in Ruhe aufzugleisen
Gemeindepräsident Markus Haltiner stellte im weiteren fest, dass die Initiative für ein Fussballfeld als eigenständiges Geschäft behandelt werde. Der Vorstand nehme die Initiative «Christlis bleibt grün» und allerdings sehr ernst, auch wenn sie noch nicht eingereicht worden ist und somit zum jetzigen Zeitpunkt keine Rechtskraft hat.
Der Änderungsantrag des Rates, der angenommen wurde, beauftragt den Vorstand, parallel zum bestehenden Projekt «Christlis» ein Projekt an den bestehenden Standorten, inklusive angrenzender Bereiche, im Sinne der eingereichten Motionen «Christlis» und «Alternative Christlis» innert sechs Monate auszuarbeiten. Nebst den Erstellungs- seien auch die Betriebskosten aufzuzeigen, zusätzlich sollen die Nachnutzungen inklusive möglicher Kosten- und Ertragsfolgen dargelegt werden. Die Strategiegruppe wurde mit 8 Nein- gegen 6 Ja-Stimmen abgeschmettert.
Die sehr emotional geführte Diskussion zeigte auf, wie tief der Graben zwischen Rat und Vorstand in Sachen Schulraumschaffung ist. Der Gemeinderat hat die Geduld verloren. Dass dies allein die Schuld des jetzigen Vorstandes sein soll, ist unverständlich. Man will möglichst schnell zu einer neuen Schulanlage kommen – koste es was es wolle.
Der Gemeinderats-Präsident Georg Valär (FDP) war Erstunterzeichner der Motion «Alternative Christlis». Er liess sich für dieses Geschäft von seinem Stellvertreter, Peter Aebli, vertreten, um sich an der Diskussion beteiligen zu können. Valär erklärte, man wolle verhindern, dass «nach der Abstimmung gleich vor der Abstimmung sei». Ein Nein zu Christlis sei eindeutiger als je zuvor. Hingegen zeigte er sich erfreut, dass der Vorstand immer neu bereit sei, die Lage zu überdenken. In selbe Horn stiess auch sein Parteikollege Daniel Wegmüller: «Nur durch eine Gegenüberstellung verschiedener Varianten können diese objektiv beurteilt werden» meinte er.
Marco Marugg (BDP) gab der Hoffnung Ausdruck, die Initianten der Initiative «Christlis bleibt grün» würden sich auch noch für die Schulraumschaffung einsetzen, wenn sich herausstelle, dass diese an einem bestehenden Standort teurer werde. Dass die Sanierung bestehender Anlagen teurer wird als der Bau einer neuen, ist eine Tatsache. Die Abschreibung der Motion «Alternative Christlis» wurde durch den Entscheid des Gemeinderates hinfällig.
Eventhalle ersetzt eine Turnhalle
«Wir können nicht den gleichen Gemischtwarenladen führen wie Davos!» referierte Daniel Wegmüller (FDP) zur Motion «Integration kantonales Leistungszentrum von Graubünden Tennis in eine beim Sportzentrum erstellte Sport- und Eventhalle». Dass gerade jetzt mit dieser Motion aufgetrumpft wird, ist wohl kaum ein Zufall. Kreise, die schon lange gerne ein solche Halle gehabt hätten, nutzten die Gunst der Stunde. Eine Zweifach- statt Dreifach-Turnhalle kann gut auch an den Alternativ-Standorten zu Christlis realisiert werden.
SVP-Gemeinderat Heinz Schmid erklärte, seine Fraktion sei nicht dafür, umso mehr als die Zeiten, in denen der Tennissport die Hallen füllte, vorbei seien. Angesichts solcher Voten bemühten sich die Befürworter, eher den Eventzweck, der erwiesen ist, als den Gebrauch als Tennishalle herauszustreichen.
In der Abstimmung wurde der Änderungsantrag Beschluss- und Eventhalle einstimmig angenommen. So wird der Gemeindevorstand beauftragt, innerhalb von maximal 12 Monaten eine abstimmungsreife Vorlage für den Bau einer solchen Halle auszuarbeiten. Die Botschaft habe auf einem Vorprojekt mit der Genauigkeit von +/- 15 % zu erfolgen. In der Arbeitsgruppe, die dafür zuständig ist, sollen nach Meinung des Gemeinderates der Departementsvorsteher Tourismus, der Liegenschaftsverwalter der Gemeinde und Vertreter der Hotellerie mindesten drei Gemeinderäte Einsitz nehmen. Der Rat hat dafür einen Planungskredit von 150000.– Franken freigegeben.
Privatstrassen an Gemeinde
Im weiteren informierte Vorstandsmitglied Hans Peter Hobi über die rund 60 Privatstrassen, die, teilweise in sehr desolatem Zustand, jetzt erfasst werden. Man will überprüfen, ob und zu welchen Konditionen diese durch die Gemeinde übernommen werden sollen und erstellt dafür ein einheitliches Konzept, bevor Einzelfälle eine Präjudiz schaffen können. Vorstand Marc Däscher stellte Informationen über ein neues Feuerwehrlokal für die nächste Ratssitzung in Aussicht.
Zuschauer eingepfercht
Was leider an der Gemeinderatssitzung auffallen musste, sind die unzumutbare Platzverhältnisse für die Zuschauer im – speziell für diese Sitzungen – erbauten Saal im «Sprützenhüschi». Sitzen sie auf der Tribühne, sehen die Interessierten Stimmbürger vor allem einen Dachbalken; sitzen sie unten, können sie den Räten mehr oder weniger in die Unterlagen schielen.
Alles in allem eine sehr spannende Ratssitzung, wenn auch scharf geschossen wurde. Einer dieser Schüsse war ein Blindgänger, nämlich der Einwand, der Gemeindepräsident solle nicht nach jedem Votum eines Ratsmitgliedes einen Kommentar abgeben – was ihm laut Geschäftsordnung ausdrücklich erlaubt ist.
PDF-Ausgabe HIER
Warum nicht abonnieren?